Allgemeines zum Thema Bluthochdruck
Der Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) hat sich zu einer „globalen Zivilisationserkrankung“ entwickelt. Inzwischen leiden 12-14% der Weltbevölkerung an einer diagnostizierten Hypertonie (Messerli 2007). Der Bluthochdruck stellt einen gravierenden Risikofaktor für Schlaganfall, Herzinfarkt und Herzschwäche (Herzinsuffizienz) dar (Benjamin 1994, Brindle 2003, Hubert 1983, Qureshi 2005). Mit den entsprechenden negativen Konsequenzen für eine eingeschränkte Lebensqualität und Frühinvalidität ist die arterielle Hypertonie zudem weltweit der Hauptfaktor vermeidbarer Todesfälle; im Jahr 2002 waren 26% der Todesfälle auf eine bestehende arterielle Hypertonie zurückzuführen (Prugger 2006).
Schätzungen zu Folge besteht bei 18-20 Millionen1 Menschen in Deutschland ein erhöhter Blutdruck. Von diesen 18-20 Millionen wissen circa 6 Millionen nichts davon. Bezogen auf die Kölner Stadtbevölkerung bedeutet dies, dass ca. 200.000-250.000 Menschen von einem erhöhten Blutdruck betroffen sind, von denen wiederum etwa 1/3 nichts von ihrer Erkrankung wissen.
Eine aktuelle versorgungsepidemiologische Untersuchung (SHIP) gibt Hinweise auf eine noch höhere Prävalenz des Bluthochdrucks (Siewert et al. 2010).
Nach Prugger et al. 2006 beträgt jedoch der Behandlungsgrad der arteriellen Hypertonie in Deutschland lediglich ca. 25%, der Kontrollgrad 8%. Vor diesem Hintergrund ergibt sich die Notwendigkeit, die Versorgungssituation der arteriellen Hypertonie flächendeckend in Deutschland zu verbessern.
Bei Vorliegen eines Bluthochdrucks ist eine konsequente Senkung auf Normwerte anzustreben. Die Folgen eines länger bestehenden Bluthochdrucks sind u.a. eine vorzeitige Gefäßalterung und eine Schädigung lebenswichtiger Organsysteme mit den entsprechenden Komplikationen wie z.B. Schlaganfall. Bluthochdruck ist der Haupt-Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die häufigste Todesursache in der Bundesrepublik Deutschland.2
Grundsätzlich gilt für die Vermeidung eines erhöhten Blutdrucks, alle beeinflussbaren Risikofaktoren zu identifizieren, bei Bedarf eine entsprechende Empfehlung auszusprechen und eine Behandlung einzuleiten (Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdrucks e.V. 2010). Wichtigstes Ziel der antihypertensiven Therapie ist die maximale Reduktion des kardiovaskulären Risikos, ggf. durch eine Kombination von medikamentösen und nicht medikamentösen Therapiemaßnahmen. Nicht medikamentöse Therapiemaßnahmen beinhalten Veränderungen der Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten (u.a. körperliche Aktivität, kochsalzarme Kost), Gewichtsreduktion, eine Reduktion von Belastungsfeldern (wie z.B. Stress sowie einen angemessenen Umgang mit Alkohol und Nikotinverzicht), mit denen insbesondere bei leichten und mittelschweren Bluthochdruckformen gute Blutdruckwerte erzielt werden können (u.a. Dalhöf 2005, Hansson 1998, Messerli 1998, Pepine 2003, Staessen 1997, Yusuf 2009). Alle Hypertoniker sollten ärztlich betreut werden. Der DMP-Qualitätsbericht der KV Nordrhein 2008 belegt für die Indikation „Koronare Herzkrankheit“ (DMP KHK) signifikante Verbesserungen der Blutdrucksituation bei einer kontinuierlichen Teilnahme von ca. 40.000 Patienten (KVNo 2008).
Die Gesundheitsinitiative „Köln aktiv und gesund – Kennen Sie Ihren Blutdruck?“ setzt früher an und ist explizit auf die Primärprävention der arteriellen Hypertonie sowie auf die Detektion bisher unbekannter Hypertoniker ausgerichtet. Sie verfolgt das Ziel, die Kölner Bevölkerung auf die Bedeutung des Bluthochdrucks und auf seine gesundheitsschädigenden Auswirkungen hinzuweisen. Ziel ist es, dass sich Probanden mit einem potenziellen Hypertonie-Risiko in die Betreuung ihres Arztes begeben. Die Bevölkerung soll für die genannte Thematik sensibilisiert werden.
Um den Anforderungen der möglichen Bild- und Migrationsbarrieren zu entsprechen, werden die relevanten Informationen zu der Blutdruck- und Pulsklassifikationen über ein Ampelsystem abgebildet.
1 „Patienten mit hohem Blutdruck erkennen, behandeln und führen“ Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz-
und Kreislaufforschung e.V.
2 Ziele und Aufgaben Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL – Deutsche Hypertonie Gesellschaft

